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Beim zweitgrößten deutschen Kabelnetzbetreiber steht erneut ein grundlegender Umbau an. Der Mehrheitsaktionär plant den vermutlich letzten Squeeze-Out und damit einen vollständigen firmenrechtlichen Neustart. Die Kublai GmbH, die inzwischen rund 97,67 % des Aktienkapitals hält, möchte die verbliebenen Minderheitsaktionäre ausschließen. Diese sollen gegen eine aus Sicht des Hauptaktionärs „faire Barabfindung“ aus dem Unternehmen ausscheiden.

Nach Abschluss dieses Prozesses soll die Gesellschaft von einer Aktiengesellschaft in eine GmbH überführt werden. Für eine GmbH fallen deutlich weniger Verwaltungs- und Berichtspflichten an, zudem wird kein Aufsichtsrat benötigt, was auch personell Einsparungen bedeutet. Der Termin für die dafür notwendige Hauptversammlung soll in Kürze veröffentlicht werden. Die Börse reagierte prompt: Die Aktie (WKN: TCAG17) sprang am Freitag um 22 % auf 0,77 Euro nach oben.

Was bedeutet ein Squeeze-Out?
Ein aktienrechtlicher Squeeze-Out nach §§ 327a ff. AktG kann durchgeführt werden, sobald ein Großaktionär mindestens 95 % der Anteile einer AG kontrolliert. Er ist dann berechtigt, die restlichen Aktionäre gegen Zahlung einer angemessenen Abfindung aus dem Unternehmen zu drängen. Rechtskräftig wird der Ausschluss durch einen Hauptversammlungsbeschluss und die anschließende Eintragung im Handelsregister. Häufig entstehen Konflikte rund um die Höhe der Abfindung, die das Verfahren verzögern können.

Ein Blick in die Historie zeigt, dass Kleinanleger mit deutschen Kabelnetzunternehmen selten langfristig profitieren konnten. Kabel Deutschland etwa kam 2010 an die Börse, wurde 2013 von Vodafone übernommen und verschwand 2016 endgültig vom Markt.

Auch die Primacom AG aus Leipzig, die 1999 an den Neuen Markt und an die NASDAQ ging und später im Prime Standard gehandelt wurde, erlebte eine turbulente Entwicklung. Nach massiven Schwankungen erwarb die Orion Cable GmbH 2007 rund 91 % der Anteile mit dem Ziel, Primacom in die Tele-Columbus-Gruppe einzugliedern. 2010 machten jedoch die Fremdkapitalgeber – angeführt von der ING Bank – durch eine sofortige Kreditfälligkeit eine Insolvenz unausweichlich, obwohl das Unternehmen operativ gut dastand. Die Aktionäre gingen leer aus, während die Banken das Unternehmen über einen Strohmann günstig übernahmen. Später ging Primacom vollständig in der Tele Columbus AG auf.

Die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte zeigen klar: Kabelnetzbetreiber suchen oft dann den Weg an die Börse, wenn andere Finanzierungsquellen versiegen. Sobald sich die wirtschaftlichen Perspektiven verbessern oder die Gewinne steigen, werden Minderheitsaktionäre meist wieder aus dem Unternehmen gedrängt.